Ehemalige Korneuburger Schiffswerft

Vor ein paar Tagen habe ich die alte Werft in Koneuburg besucht. Obwohl dort vieles seit der Schließung 1993 abgebaut wurde, sind einige Hallen, Kran und Slipanlage noch erhalten. Den heute denkmalgeschützen Produktionshallen sieht man ihr Alter schon deutlich an, aber das macht sie gerade interessant.
Hier kommen die Fotos, die ich dort gemacht habe, im Anschluß kannst du die Geschichte der Werft lesen.
Die Geschichte der Werft
Die Geschichte der Schiffswerft Korneuburg begann 1852, als die Erste Donaudampfschiffahrtsgesellschaft (DDSG) eine Reparatur- und Schleppbauwerft errichtete. Zu Beginn arbeiteten etwa 60 Mitarbeiter unter einfachen Bedingungen in Holzbauten und unter Flugdächern. Ab 1909 wurden die Holzbauten durch gemauerte Gebäude ersetzt, und die Werft wuchs kontinuierlich.
Die DDSG war um 1900 die größte Binnenreederei der Welt. Korneuburg entwickelte sich schnell zu einem bedeutenden Standort, und 1897 lief das erste Dampfschiff vom Stapel. Doch nach dem Ersten Weltkrieg verlor die DDSG ihre Vormachtstellung und musste die Hälfte ihrer Flotte an die Siegermächte abgeben. Dies führte für einige Jahre zu voller Auslastung der Werft, die in dieser Zeit viele Güter- und Tankkähne baute.
In der Zwischenkriegszeit gewann die Werft durch den Einsatz moderner Technologien, wie dem Bau von Dieselantriebsschiffen, wieder an Bedeutung und wurde zum größten Arbeitgeber der Region. Der wirtschaftliche Aufschwung wurde jedoch durch die Währungssanierung der 1920er-Jahre unterbrochen, und die Auftragslage verschlechterte sich drastisch.
Während der NS-Zeit erlebte die Werft einen starken Ausbau. Bis zu 1.700 Arbeiter waren beschäftigt, und es wurden sogar U-Boot-Türme gebaut. Die Werft spielte eine wesentliche Rolle in der Rüstungsindustrie des NS-Regimes. Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel die Werft unter die Verwaltung der sowjetischen USIA und produzierte Seeleichter für die Sowjetunion. 1955 kam sie wieder in österreichischen Staatsbesitz, und 1959 wurde sie als „Schiffswerft Korneuburg AG“ aus der DDSG ausgegliedert.
In den 1970er-Jahren baute die Werft Hochseeschiffe, Fischtrawler, Schwimmkräne, Zugschiffe und moderne Schubschiffe. Sie wurde 1974 mit der Schiffswerft Linz fusioniert und in die VÖEST integriert. Trotz des Baus moderner Schiffe kämpfte die Werft weiterhin mit wirtschaftlichen Problemen. Ein verlustreiches Projekt mit Schweden im Jahr 1973 führte zu großen finanziellen Schäden.
1991 wurde die Werft privatisiert, doch sie konnte keine neuen Aufträge mehr gewinnen. Das letzte Schiff, das in Korneuburg gebaut wurde, war 1993 das Schulschiff "Bertha von Suttner". Danach schloss die Werft endgültig.
Heute steht ein Teil des ehemaligen Werftgeländes unter Denkmalschutz. Zu den erhaltenen Gebäuden gehören das Verwaltungsgebäude, das Portierhaus und das alte Eingangstor. Auch die Maschinenbauwerkstätte (Halle 55), die Maschinenschmiede (Halle 58) sowie die Slipanlage und der große Kran sind noch vorhanden. Ein Widerstandsdenkmal erinnert an die in der NS-Zeit hingerichteten Mitglieder der Widerstandsgruppe der Werft. Das Gelände wird heute für Veranstaltungen, Gastronomie und als Freibad genutzt. Doch die Zukunft des Gebiets ist, nachdem ein Bauprojekt für eine große Wohnanlage gestoppt wurde, ungewiss.
Quellen:
Glossar:
Artikel auf vienna.at anläßlich des 25-Jahr-Jubiläums aus 2019.